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"600 Hoinza" Vernissage Kunstausstellung Hanuselhof 2012

Werke von Robert Liebenstein, Susanne Mölle und Agathe Haslach.

→ Kunstaustellung "600 Hoinza" im Hanusel Hof (PDF 2MB)

 

Textpassagen aus der Rede von Dr. Harry Schlichtenmaier:

... Das fotografische Werk der in Kempten lebenden Susanne Mölle lässt sich unter folgenden Aspekten zusammenfassen: Sie selbst bezeichnet sich als Fotojournalistin. Neben ihrem Brotberuf entsteht ein Werk, das ihre eigenständige und außergewöhnliche fotografische Begabung unter Beweis stellt. Auch sie wurde auf ihrem künstlerischen Weg mit Förderpreisen und mehreren hochrangigen Auszeichnungen, insbesondere für ihre Kalender, ausgezeichnet.

Bei meinem Besuch in ihrem Atelier wurde mir sofort klar, dass sich die künstlerische Intention von Susanne Mölle nicht auf die Tätigkeit einer Chronistin des Allgäus beschränkt. Sie dokumentiert zwar in ihren Fotografien vorrangig Situationen und Impressionen des Allgäus, sie versteht es jedoch, sowohl das Charakteristische, als auch das Außergewöhnliche dieser Kulturlandschaft zu erfassen und sie erweist sich dabei als eine Beobachterin, die das ausdrucksstarke Motiv auch im Alltäglichen und im scheinbar Zufälligen erkennt.

Ihr Interesse gilt nicht nur der Landschaft, sondern auch dem Menschen, wie z.B. bei den in dieser Ausstellung gezeigten Fotografien zum Thema „Viehscheid". Dort wird die spannungsvolle Beziehung zwischen Mensch und Herde, die Dynamik und Anspannung, die sich bei diesem Ereignis ergibt, erfasst: Das erzählen die ausdruckstarken Gebärden und Gesichter der Sennhirten. Dem gegenüber zeigt die Fotografie mit dem Bauernmädchen, das eine Kuh antreibt, eine scheinbar harmonische Szene, welche die Widerspenstigkeit des Tieres jedoch nicht übersieht.

Susanne Mölle bedient sich in ihren Fotografien einer eigenständigen und subjektiven Sichtweise – neben ihrem besonderen Gespür für den richtigen Augenblick, zeichnet sie vor allem die Begabung aus, den fokussierenden Blick des Fotografen durch die Linse der Kamera korrekt und insbesondere kompositionsorientiert zu richten. Mit der ihr eigenen Präzision schöpft sie die ihr zur Verfügung stehenden technischen und ästhetischen Möglichkeiten des Mediums Fotografie voll aus. Dieses Bestreben setzt sich fort bis hin zur Bearbeitung der Bilder im Atelier.

Den wahren Könner erkennt man hier in der differenzierten Behandlung der Belichtung [...] Susanne Mölle liebt das Licht, vor allem das Gegenlicht und insbesondere das Spiel mit der Doppelbelichtung. Besonders letzteres hat die Eigenschaft, das Motiv – ihre Urlandschaft – auf besondere Art und Weise zu verschmelzen. Diese Technik verlangt vom Betrachter ein noch intensiveres Schauen, sowohl aus der Ferne als aus der Nähe. Im Wechsel des Lichts baut sich ein spannungsreiches Spiel an Kontrasten auf. Vor allem werden landschaftliche Strukturen sichtbar, insbesondere bei ihren Gebirgsaufnahmen, die gelegentlich sogar zu abstrakt erscheinenden Impressionen mutieren. In diesem Wechselspiel findet Susanne Mölle die ihr fotografisches Werk prägende Wirkung. Lichtwechsel treffen aufeinander, rhythmische und lineare Spuren zeichnen sich ab. Sie bringen Bewegung ins Bild und vermitteln räumliche Tiefe.

Die Faszination liegt zum einen an Susanne Mölles Gabe, Zusammenhänge zu erfassen und dabei das Authentische einzufangen, zum anderen an ihrer besonderen Art, Dinge in den Fokus mit einzubeziehen, die andere Fotografen nicht als bildwürdig erachten. ...